Wie hat Social Media Beziehungen verändert?
Likes, Storys und das Offizielle: Liebe wird heute auch am Bildschirm gelebt. Wie Social Media prägt, wie wir Beziehungen beginnen, führen und beenden.
Von QuizCupid-Redaktion20. August 20263 Min. Lesezeit
Photo by Shawn Fields on UnsplashBis vor zehn Jahren fühlten nur zwei Menschen den Puls einer Beziehung. Heute kommen dazu noch die Zahl der Follower, die Anzahl der Likes und die Story-Views. Social Media hat Beziehungen nicht grundlegend verändert, aber sichtbar umgestaltet, wie wir beginnen, wie wir fortführen und wie wir beenden.
Wir haben es sehr eilig, eine magnetische Telegrafenleitung von Maine nach Texas zu bauen; aber Maine und Texas haben vielleicht gar nichts Wichtiges miteinander zu besprechen.
1. Ständige Verbindung, ständige Erwartung
Das Versenden von Nachrichten ist mittlerweile zu jeder Tageszeit möglich, was die Erwartung geweckt hat, dass man „sofort antworten muss“. Dass eine Nachricht stundenlang ungelesen bleibt, war früher ein Detail, das kaum auffiel, kann heute jedoch Anlass zur Sorge geben. Die „Gesehen“-Benachrichtigung verstärkt diese Erwartung noch weiter: Zu wissen, dass eine Nachricht gelesen wurde, ohne dass eine Antwort kommt, kann viel beunruhigender sein, als wenn sie gar nicht gelesen worden wäre.

2. Die neue Adresse der Eifersucht: die Follow-Liste
Wem der Partner folgt und wessen Beiträge er mit „Gefällt mir“ markiert, ist mittlerweile öffentlich einsehbar. Diese Transparenz stärkt zwar manchmal das Vertrauen, schadet der Beziehung jedoch, wenn sie zur Gewohnheit wird, ständig alles zu kontrollieren. Eine eigentlich unbedeutende Geste, wie zum Beispiel, dass Ihr Partner den Beitrag eines ehemaligen Partners mit „Gefällt mir“ markiert, kann zu einem Thema werden, über das stundenlang nachgedacht und gegrübelt wird.
3. "Instagram Official" sein
Das Teilen einer Beziehung im Profil ist mittlerweile zu einem symbolischen Maßstab für den Ernst der Beziehung geworden. Wenn man dies nicht tut oder hinauszögert, kann dies bei manchen Paaren zu unnötigen Streitigkeiten führen. Während manche Paare dies gemeinsam tun, um einen bestimmten Moment zu markieren, entscheiden sich andere dafür, es gar nicht zu tun; wichtig ist vor allem, dass beide die gleichen Erwartungen haben.
4. Vergleichsangst
Je mehr man die sorgfältig ausgewählten, glücklichsten Momente anderer sieht, desto größer wird der Drang, die eigene Beziehung mit diesem Schaufenster zu vergleichen. Dabei zeigen die sozialen Medien nur die besten Momente einer Beziehung – nicht die ganz normalen Tage. Wenn man den Beitrag eines Paares zu seinem Jahrestagsurlaub sieht und ihn mit einem ganz normalen Dienstagabend vergleicht, bedeutet das, zwei unterschiedliche Momente auf eine Waagschale zu legen.
5. Die digitalen Spuren einer Trennung
Früher geriet eine Trennung mit der Zeit in Vergessenheit, heute bleiben gemeinsame Fotos, Markierungen und gegenseitige Follows weiterhin auf dem Bildschirm sichtbar. Selbst die Entscheidung, jemandem nicht mehr zu folgen oder ihn zu blockieren, ist zu einer emotionalen Hürde geworden. Manche Paare ziehen es deshalb vor, ihre Konten nicht unmittelbar nach der Trennung, sondern erst nach einiger Zeit zu bereinigen und den entscheidenden Moment auf einen Zeitpunkt zu verschieben, an dem sich die Gemüter beruhigt haben.
Social Media zugunsten der Beziehung nutzen
Social Media ist an sich nicht schädlich, das Problem liegt meist darin, wie wir es nutzen. Mit deinem Partner klare Erwartungen über Posthäufigkeit, Markierungen und Privatsphäre zu besprechen, verhindert die meisten Reibereien von vornherein. Handyfreie Zeiträume festzulegen ist ebenfalls eine einfache, aber wirksame Gewohnheit, um die Einmischung des Bildschirms zu verringern.
Der Psychologe Leon Festinger benannte diese Reaktion erstmals 1954 in seiner „Theorie des sozialen Vergleichs“: Menschen bewerten ihren eigenen Wert größtenteils dadurch, dass sie sich mit anderen vergleichen, und die ständige Präsentation sorgfältig ausgewählter „Highlights“ führt dazu, dass dieser Vergleich sowohl häufiger stattfindet als auch verzerrter ausfällt als im Alltag. Das Wissen um diesen Mechanismus beseitigt dieses Gefühl zwar nicht, macht es aber leichter, es nicht als echtes Zeichen für Ihre Beziehung zu deuten, sondern als vorhersehbaren Nebeneffekt der Plattform.
Häufig gestellte Fragen
Ist es normal, meinem Partner nicht zu folgen? Ja, manche Paare halten ihre Beziehung bewusst privater, das bedeutet nicht, dass die Beziehung schwach ist.
Wie geht man mit Eifersucht durch Social Media um? Das Gefühl als Emotion statt als Vorwurf zu teilen und die benötigte Grenze gemeinsam festzulegen, ist der gesündeste Weg.
Social Media hat Beziehungen nicht ersetzt, sondern nur eine Bühne hinzugefügt, die es sichtbar gemacht hat. Wer diese Bühne nutzt, wie viel und wie, liegt weiterhin in der Hand des Paares.
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